THEATER & nedelmann
THEATER & nedelmann

pubertierisch

° von Oliver Nedelmann, Meike Traut, Ainikki Arndt u.a.

° mit Oliver Nedelmann, Ainikki Arndt/Joy Dubanec

Ein Tag im Pubertierheim. Der Ärger geht mit dem Wecken los, dann wird der Kampf ins Bad verlagert, schwappt an den Küchentisch, findet Fortsetzung, wenn es um Hausaufgaben, Taschengeld und Handyzeit geht, um am Ende des Tages im berühmten Dialog zu münden: „Wie spät ist es?“ „Elf Uhr.“ „Wann solltest du zuhause sein?“ „Niemand muss um zehn zuhause sein.“

 

 

Also: nicht zum Aushalten. Doch! Es ist zum Aushalten, weil man darüber lachen kann. Und wie. Über die auf der Bühne und über sich selbst. Der pubertierische  Abend ist komisch, hochkomisch. Und alle bekommen auf die charmanteste Weise den Spiegel vorgehalten: Eltern und Kinder.

Und zwischendrin ist es zum Heulen schön.

 

Wie im richtigen Leben eben.

 

Die beiden Wohnzimmerakteure sind auch theaterpädagogisch aktiv und haben seit fast fünfundzwanzig Jahren mit zahlreichen festen Kinder- und Jugendtheatergruppen, Schulklassen und Workshopgruppen gearbeitet. Und so haben sich über die Jahre viele viele Theaterszenen angesammelt über pubertierende Töchter und Söhne und deren Eltern. Material für einen pubertierischen Abend war also in Hülle und Fülle und großer Qualität vorhanden, aber wie sollten es die beiden Wohnzimmerakteure umsetzen? Zwar glänzen Nedel-Frau und Nedel-Mann auch in Rollen Heranwachsender (man denke nur an das komisch-diabolische Geschwisterpaar aus „Parmesan und Autofahr'n“), aber für ein ganzes Theaterstück wäre der Ansatz „Fünfzigjährige spielen Fünfzehnjährige“ dann doch ein bisschen albern.

 

Zwei Jahre lang gab Nedel-Mann einen Kurs „Darstellendes Spiel“ an der Nell-Breuning-Schule in Rödermark. Dort  lernte er seine Mitspielerinnen des pubertierischen Abends kennen und schätzen. Und so kam das eine zum anderen, die Spielerinnen zum Spielmaterial, die Töchter zum Vater, und so erwuchs (fast) über Nacht eine neue Familie mit Vater und Tochter und eigenem Wohnzimmer, in dem viel Theater gemacht wird. 

 

 

 

 

VATER kommt mit einem Becher Kaffee raus  Möchtest du einen Kakao?

TOCHTER Oh, Papa! nimmt seinen Kaffee und trinkt daraus

VATER Hast du schon was gegessen?

TOCHTER Hab keinen Hunger.

VATER Du musst aber etwas essen.

TOCHTER Will nicht.

VATER Das Frühstück ist aber die wichtigste Mahlzeit am Tag.

TOCHTER Jaaa…

VATER Ein paar Vitamine tun dir gut.

TOCHTER Jaaa…

VATER Die Grundlage für einen erfolgreichen Tag.

TOCHTER Jaaa…

VATER Bitte. stellt eine Schüssel auf den Tisch

TOCHTER Ich hab aber keinen Hunger.

VATER Was ist denn los?

TOCHTER Nichts.

VATER Einen Bissen für Papa, ja?! schiebt die Müslischüssel rüber

TOCHTER schiebt die Müslischüssel zurück, die umfällt Ich will nicht.

VATER Jetzt hast du die Schüssel umgekippt.

TOCHTER Tut mir leid.

VATER Jeden Morgen das gleiche Theater.

TOCHTER Ist ja gut.

VATER Da steht man frühmorgens auf, um dir was Gutes zu tun.

TOCHTER Ich hab dich nicht drum gebeten.

VATER Immer „ich will, ich will, ich will“, und dann so was.

TOCHTER Ich wollte doch gar nichts.

VATER Und dann noch frech werden.

TOCHTER Es reicht mir jetzt. ab

VATER Und mach doch mal ein freundliches Gesicht.

VATER setzt sich hin, nimmt die Kaffeetasse, trinkt Bäh. Lipgloss.  

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